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Radduscher Traditionen

Die Fastnacht

Fastnacht = Zapust (sorb./wend.)

Dieses Fest wurde in aller Ausgelassenheit mehrere Tage gefeiert. Es begann an einem Sonntag mit einem festlichen Umzug durchs Dorf. Alle Mädchen trugen die wendische Tracht. Die Jungen trugen Fastnachtssträußchen am Jacket. So zogen sie unter Klängen einer Marschkapelle durchs Dorf bis zur Gaststätte. Hier wurde dann getanzt.

Noch fröhlicher und ausgelassener ging es am nächsten Tag beim Zampern zu. Da zieht eine Kolonne abenteuerlich verkleideter Gestalten mit bemalten oder geschwärzten Gesichtern von Haus zu Haus. Einer trug einen mit Häcksel gefüllten Kober oder eine Kiepe, ein anderer trug einen Kasten, weitere eine Gabel usw. Jedem Hof und jedem Haus wird dann ein Besuch abgestattet. Auf dem Hof oder auf der Straße spielte die Musik zum Tanz auf. Dabei musste jeweils einer der verwegenen Burschen mit der Bäuerin eine Extratour tanzen. Die Bäuerin eilte dann ins Haus, holte Eier für die Kiepe oder den Kober, den Speck, der auf der Gabel aufgespießt wurde und der Bauer gab Geld, welches in den Kasten gesteckt wurde.
Die beim Zampern gesammelten Eier und anderen Lebensmittel werden dann an einem bestimmten Abend in einer Nachfeier gemeinsam verzehrt und natürlich wurde bei dieser Gelegenheit viel getrunken und kräftig das Tanzbein geschwungen. Am Dienstag dann war auch die ältere Generation dran und feierte die Fastnacht. War die Jugend be¬reits müde vom ausgelassenen Treiben, dann veranstalteten die "Alten" ihre „Männerfastnacht" Dabei geht es allerdings meist gemütlicher zu als bei den Jungen.
Der Brauch der Fastnacht hat sich über die Jahr¬hunderte im Ort durchgesetzt und wird heute noch bei Alt und Jung gepflegt.
Die Jugend feierte ihre Jugendfastnacht an zwei Tagen (meist Freitag und Sonnabend) und die Männerfastnacht ist dann meist ein Wochenende später an einem Sonnabend. Für beide aber gibt es dann einige Wochen nach der offiziellen Fastnacht noch eine Nachfeier, bei der alles eingezamperte verzehrt wird. Die Jugendfastnacht wurde nach 1949 bis zur Wende von der FDJ gepflegt. Bei der Männerfastnacht wurde jeweils ein Fest¬komitee gebildet, dass die Fastnacht leitete. Heute kümmert sich der Heimat- und Trachtenverein Raddusch e.V. um die Pflege dieser Tradition und organisiert das jährliche Zampern.

Aber auch die kleinsten Bürger Raddusch’s ziehen schon zampernder Weise durch das Dorf. Dies wird alljährlich von der KITA organisiert und durchgeführt. Die Kinder feiern auch alljährlich im Januar die Vogelhochzeit, ebenfalls ein uralter Brauch.

Quelle: Ortschronik Raddusch

Die Spinnte

In den dreißiger Jahren sollen es in Raddusch rund 30 junge Burschen gewesen sein, die sich allabendlich zum Kartenspiel in der Spinnte zusammenfanden. Als Gegenleistung für die Bereitstellung der Stube, der Feuerung und des Lichts mähten die Burschen dem Bauern an einem Tag sämtliche Wiesen. Zur letzten Wiesenmahd bestellten sie sich dann eine kleine Musikkapelle, mit der sie nach getaner Arbeit in das Dorf zogen. Sie selbst hatten zuvor ihre Sensen mit einem Strauß aus Wiesenblumen geschmückt. In der Dorfschänke feierten die Burschen den Abschluss der Wiesenmahd mit dem so genannten »Sensenball«, zu dem natürlich auch die Mädchen des Dorfes eingeladen waren.
Die Teilnehmerinnen der Mädchenspinnte dagegen halfen der Bäuerin, die ihnen die Spinnstube zur Verfügung gestellt hatte, bei der Kartoffelernte. Schon morgens um drei Uhr trafen sich die Mädchen auf dem betreffenden Bauernhof, frühstückten gemeinsam und begaben sich danach zum Kartoffelfeld. Gegen zehn Uhr gab es Mittagessen. Wie die Burschen ließen sich auch die Mädchen von einer Musikkapelle vom Feld abholen, um anschließend in der Gastwirtschaft ihren »Kartoffelball« zu feiern, an dem auch die Burschen teilnehmen durften. Diese Tradition ist allerdings nach dem zweiten Weltkrieg verloren gegangen.

Quelle: Christel Lehmann, Das Spreewalddorf Raddusch, Domowina-Verlag, Bautzen 1994

Das Stollereiten

Das Stollereiten (rejtowanje wo kolac), ein Pferdereiten der jungen Burschen um den Preis einer Stolle, wurde auch noch nach dem zweiten Weltkrieg gepflegt. Früher wurde es von der Spinntejugend organisiert. Nach 1945 übernahm es der Jugendälteste, der zwar nicht immer der Älteste unter den Jugendlichen sein musste, sich aber durch sein organisatorisches Talent auszeichnete.
Zwischen den sechziger und siebziger Jahren verfielen die dörflichen Traditionen fast alle einer scheinbaren Bedeutungslosigkeit. Darunter zählten auch das Osterfeuer (jatgowny wogeh) auf dem Schwarzen Berg, das Ostersingen (iatgowne spjwanje), das Maibaumaufstellen (stajanje maje) und das Stollereiten.
Erst Mitte der siebziger Jahre besann sich die Dorfjugend auf die einstigen Bräuche und begann diese wieder zielstrebig zu pflegen. Das Ostersingen erlebte indes keine Wiedergeburt. Andererseits kam 1981 der Brauch des Hahnrupfens (lapanje kokota) dazu, der bis dahin in Raddusch keine Tradition hatte. Der Grund für diese Innovation war eine Anregung des damaligen Kreissekretärs der Domowina.
Mit der Rückbesinnung auf einstige Traditionen veranstaltete die Radduscher Jugend 1981 erstmals nach 18 Jahren das Stollereiten als sogenanntes Flachrennen. Daran nahmen insgesamt 18 Reiter aus Fleißdorf (Dlugi), Naundorf (Njabokojee), Märkischheide (Wusoka), Alt Zauche (Stara Niwa), Biebersdorf (Njacyna), Lübben (Lubin), Byhleguhre (Bila Gora), Straupitz, Briesensee (Brjazyna), Calau (Kalawa) und Raddusch (Radus) teil. Die Sieger wurden damals wie heute durch Mädchen in Tracht mit Siegerkränzen, Siegerprämien und Siegerschärpe geehrt. Die jungen Mädchen ermitteln an diesen Tagen ihre Siegerin beim Froschkarren. Den Abschluss bildet ein Reiterball. Dieses Stollereiten fand immer am letzten Sonntag des August statt.

Quelle: Christel Lehmann, Das Spreewalddorf Raddusch, Domowina-Verlag, Bautzen 1994

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