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Ortsteil Kahnsdorf und seine Geschichte

Kahnsdorf 1953 aus 10 km Höhe...
und 2003: Nichts erinnert mehr an den Ort!
Luftbilddaten 1953, © Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg 2006

Chronologie

1346-49 Der "Schwarzen Pest" fallen zwei Drittel der Dorfbevölkerung zum Opfer.
1475 Große Heuschreckenplage im Spreewald: Die gesamte Ernte wurde vernichtet, die Schweine, die mangels besseren Futters mit Heuschrecken gefüttert wurden, verstarben an einer unbekannten Krankheit
26.07.1503 Kansdorf ( Lübbenauer Schlossurkunde Nr.30, erste urkundl. Erwähnung), weitere Ortsnamen: Kanstorf (1541), Cansdorff (1571), Wendisch Kahnsdorf bey Lübbenau, auch Woschkalawa (1761), evtl. Spottname " Lause Calauer": schmutzige, arme, verachtete Ortschaft, Siedlung der Räudigen und Aussätzigen
1552 Die Pest fordert allein in Calau 273 Todesopfer, die Dörfer verwaisen und die Felder bleiben unbestellt
1632 älteste Information über die Kahnsdorfer Abgaben an die Kalkwitzer Kirche
1664 Ein sehr strenger Winter sucht (wie schon 1564 und 1635) Menschen und Tiere heim. Sogar die Wölfe holten sich ohne Scheu ihre Beute von Stall und Hof, niemand durfte sich unbewaffnet vor die Tür wagen ("Der Winmüller musste sogar Stunden auf stillen Örtchen aushalten, welches er wegen der Wölfe nicht verlassen konnte")
1691 4 Jahre in Folge kam es zu Überschwemmungen im Spreewald, es herrschte, auch in Kahnsdorf eine große Hungersnot. Der Winter 1694 brachte überdies noch Unmengen Schnee, so dass das Tauwetter zu Fastnacht zu Überschwemmungen in den Häusern führte; Mathes Bescho auf Parnags Gut verlor dadurch seine Stallungen
um 1716 Beginn des regelmäßigen Schulunterrichts durch ehemalige preußische Soldaten.
1791 Im Spreewald herrscht 10 Jahre lang eine große Dürre, alle Brunnen versiegten, Raddusch und Leipe brannten fast vollständig ab, "selbst die Kähne und Fischkästen verbrannten"
1815 Kahnsdorf kommt zu Preußen
1837 Aufnahme der Göritzer Kinder in die Kahnsdorfer Schule, Gründung eines Schulverbandes, gefördert durch den Göritzer Gutsbesitzer Pittelkow
1844 Der letzte Wolf wird nach einem Einbruch in den Stall von Bauer Christoph Wußog erschlagen.
1848 Im Oktober/November antifeudale Aktionen im Ort, Verlegung einer Husarenschwadron in das Dorf
1848 - 1858 Verhandlungen über die Auflösung der Feudallasten der Kahnsdorfer Bauern mit der Standesherrschaft Lübbenau
1849 Die Cholera wütet: Täglich fanden mehrere Beerdigungen statt
1854 Erst Hochwasser, dann große Hitze - das Wasser verdarb, viele Menschen starben am "kalten Fieber"
1876 Erste Erwähnung einer Gemeindevertretung Kahnsdorf
1893 Großbrand in Kahnsdorf: Am Backhaus George Peschk (Kullick) entstand der Brand, der einen Großteil des Dorfes zerstörte. Dank der Hilfe der umliegenden Gemeinden konnten alle Gebäude bald wieder aufgebaut werden.
1913 Fertigstellung der neuen Schule auf dem Grundstück der ehemaligen Schäferei.
1923 Abriss der 1723 erstmals erwähnten Bockwindmühle
1928 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
17.10.1928 Auflösung des Gutsbezirkes Kahnsdorf
1945 Bodenreform (Flurkarte)
1950 Kahnsdorf kommt im Zuge der Verwaltungsreform zum Kreis Lübben, 1952, im Zuge der Neueinteilung der Kreise, wird Kahnsdorf in den neugebildeten Kreis Calau eingegliedert.
1958 Erste "Ausgrabungen" auf dem Acker Ziegler (heute Slawenburg) im Rahmen von Pioniernachmittagen. Es wurden gefunden: Dolch aus Eisen, Axt und Messer aus Feuerstein, 3 Tontöpfe, 4 Vasen, Spangen aus Horn und Kupfer. Die Fundstücke kamen nach Potsdam.
13.4.1960 Gründung der LPG "Lindental" (1974: Bildung der KAP Reuden, 1975: Umwandlung der LPG "Lindental" zur LPG Typ Ill) Dubrau
1966 Vollständige Verlagerung des Schulunterrichts aus Kahnsdorf nach Raddusch, Auflösung der Einklassenschule - Bericht Lehrer Schröder
1976 Beitritt der Gemeinde zum Gemeindeverband Vetschau
1984 Beginn der Aufschlussarbeiten für den Tagebau "Seese Ost", damit verbunden die Zwangsumsiedlung, denn unter der Gemeinde befinden sich große Braunkohlevorkommen, aber wegen des hohen Salzgehaltes von minderer Qualität.
Sept. 1987 Die letzten Bürger (Lehmann, Reinhold, Schapp, Alfred und Schultchen, Manfred) werden aus Kahnsdorf, zumeist nach Vetschau in den "Kahnsdorfer Block" in der W.-Pieck-Str., umgesiedelt, das Gemeindebüro wird geschlossen!
1987 Die Gebäude werden mit dem Bagger abgetragen, massivere Bauten wie z.B. die Schule werden gesprengt.
1988 Kahnsdorf hört auf zu existieren, restliche Flächen gehen auf die Gemeinde Raddusch über.
 
Kahnsdorfer See
Da. wo einst ein lebendiges Dorf existierte, ist jetzt ein See, der Kahnsdorfer See

Hier, in der ehemaligen Ortslage Kahnsdorf, bildet sich aus Niederschlags- und Grundwasser ein neuer See, der "Kahnsdorfer See".

In unmittelbarer Nachbarschaft ensteht durch künstliche Flutung der "Bischdorfer See" (mehr Informationen)

Diese Dokumenatation entstand mit Unterstützung von ECOREG, der Theodor Fontane-Oberschule Burg (Spreewald) und von Herrn Manfred Kliche sowie Ewald Schröder, seit 1948 Lehrer in Kahnsdorf, der die Dorfgeschichte aufschrieb!