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Die Geschichte der Radduscher Buschmühle

Buschmühle Raddusch

Die rekonstruierte Buschmühle im Spätherbst 2015

Die Buschmühle liegt ca. 2 km vom Ort entfernt an der Grobla (Südumfluter, im Oberlauf Leineweberfließ). Man erreicht sie, wenn man aus Raddusch der Ausschilderung Richtung Dubkow-Mühle folgt.

Buschmühle um 1930
Buschmühle um 1940
Ansicht um 1930: Die Mühle ist nur per Kahn zu erreichen, gemahlen wird noch mit Wasserkraft.
Ansicht um 1940: Das Mühlhaus wurde aufgestockt, eine Schleuse und eine Holzbrücke wurden gebaut. Der Mahlbetrieb erfolgte wasserunabhängig mittels eines großen Deutz-Diesels.
1777 Die Buschmühle wird als Mahl- und Ölmühle auf Eichenpfählen gebaut (vorher soll es schon eine Radduscher Mühle an der Spree gegeben haben, heute Dubkow-Mühle).
1850 Holzwehr mit Schleusenmöglichkeit erbaut, die Mühle gehört bis 1880 einer Familie Krüger.
1886 Umbau der Mühle in einen Massivbau, Schilfdach wird durch Ziegeldach ersetzt.
1894 Ludwig Heinze (1863-1937) erwirbt die Mühle von der Familie Stoyan.
1900 Einstellung der Leinöl-Müllerei, Pflanzung der berühmten Magnolie durch Anna Heinze (1857-1912).
1928 Rudolf Heinze (1894-1992) heiratet die Kahnsdorferin Anna Tiltag (1898-1972).
1931 Größere Umbauarbeiten: Ausbau des alten Mahlwerks und Aufstockung des Mahlhauses durch die Firma Trüstedt aus Lübbenau; anstatt mit Wasserkraft wird nun mit Dieselkraft (20 PS-Motor) gemahlen. (Dem Müller wurde das Staurecht entzogen.)
1935 Rudolf Heinze erwirbt vom Vater Ludwig als letzter Müller die Buschmühle.
1935 Weganschluss nach Raddusch, bis dahin war die Mühle nur mit dem Kahn erreichbar.
1944 Ende des Schankrechts
1952 1. Mai: Ende des offiziellen Mahlbetriebs, die Familie mahlt noch bis 1999 für den Eigenbedarf.
1955 Die ehemalige Mühle bekommt Stromanschluss und eine neue Brücke.
1977 Der letzte Müller verlässt die Mühle und wohnt fortan bei seiner Tochter in Raddusch.
2010 Die Immobilie hat einen neuen Besitzer und sieht einem "zweiten Leben" entgegen.
2016 Die Mühle ist in ihrer äußeren Hülle komplett saniert

Die Mühle wurde als Kundenmüllerei betrieben, die Bauern brachten das Korn und warteten auf das geschrotete Getreide oder Mehl. Da der Müller Schankrecht besaß, dürfte die Wartezeit nicht allzu lang geworden sein, denn bis 1944 durften Branntwein, Bier sowie Kuchen und kleinere Speisen verkauft werden. Bezahlt wurde früher das Mahlen mit der "Metze", dem Sechzehntel des gemahlenen Mehls. Bis 1810 bestand im Spreewald auch Mahlzwang, d.h., dass die Bauern eine Mühle zugewiesen bekamen. Schwere Hochwasser suchten immer wieder die Mühle heim: 1926/1927, 1930, 1932, 1939/1940, 1947, 1956.

Die Sage "Das Glück des armen Buschmühlenbesitzers" spiegelt die Sorgen und Nöte der Müller im Spreewald wider. Eine tatsächliche Begebenheit war 1894 der "Spuk in der Mühle", die Erzählungen der letzten Müllerstochter finden Sie hier.

Anna Heinze
neue Schleuse Buschmühle
Die letzte Müllerin, Anna Heinze, beim Fegen der neuen Holzbrücke (um 1940)
Neue Schleusenanlage, erbaut 2007. Im Hintergrund die alte Schleuse mit der Buschmühle.
Die Buschmühle ist auch heute noch ein beliebtes Motiv für Fotografen und Maler:
Eva Kellermann
Skizze von 1953, gezeichnet von Stellmachermeister Willy Mehnert...
und als Ölbild, gemalt von Tochter Eva Kellermann (2008)

 

Quellen: Befragung der letzten Müllerstochter (Jg. 1934), Ortschronik Raddusch (M. Kliche)