Moorlehrpfad Raddusch
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Beschreibung der Moore, inkl. der GPS-Koorodinaten

Station
Name(deutsch-wendisch) - klick auf Name führt zu einem Foto vom Moor Beschreibung GPS- Koordinaten
Start/Ziel Radduscher Naturhafen/Pśirodne wustawadlišćo Raduš

Start/Ziel Ihrer Moortour, Sie können aber auch von jedem beliebigen anderen Ort, etwa Burg oder Boblitz, starten und in jede beliebige Richtung gehen oder fahren.

Tipp: In Sichtweite vom Radduscher Hafen befindet sich in östlicher Richtung entlang der Wohnhäuser bereits ein Moor, die Dubraua (benannt nach dem gräflichen Besitz auf Dubrau). Sie finden dieses Moor etwa 100 Meter rechts vom Deichbeginn.

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Schroschkoa/Srožkowa

(Sroschkens Fließ)

Torfstich, benannt nach dem angrenzenden Fließ. In Raddusch erfolgte an verschiedenen Stellen noch bis 1924 der Torfabbau, vorrangig zur Brennstoffgewinnung, manchmal auch zur Bodenverbesserung und Hausisolierung. Am Standort beginnend, zog sich der Abbau bis zur Stradower Gemarkung hin. Andere Abbauorte waren am Schwarzen Berg und entlang des Göritzer Mühlenfließes. Meist waren fünf Männer beim Abbau beschäftigt: Der Abbanker, der die oberste meist wertlose Schicht entfernte, der Stichler, der mit dem Torfspaten Stücke abstach, die dann vom Auswerfer nach oben befördert wurden. Ein vierter Mann stapelte den Torf, der fünfte sorgte für die Entwässerung der Abstichstelle, die sich meist sehr schnell wieder mit Wasser füllte. Nach dem Transport wurde auf dem Hof der Torf zum Trocknen gestapelt. Weitere Informationen zum Torfabbau sowie historische Gerätschaften finden Sie in der Heimatstube des Ortes.

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Rastplatz Buschmühle/Wótpócywanišćo Błotny młyn

Nutzen Sie die Gelegenheit für eine Pause. Am Südumfluter gelegen, ist die 1777 erbaute ehemalige Wassermühle eine historische Sehenswürdigkeit, die allerdings noch nicht besichtigt werden kann. Ein Investor holt sie gerade aus dem Dornröschenschlaf und wird hier eine gastronomische Einrichtung schaffen. Mehr zur Geschichte

Der Rastplatz liegt im Naturschutzgebiet - bitte halten Sie ihn sauber und nehmen Sie die Abfälle mit!

 
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Dubkowmoor/Dubkowe bagno

Das Bodenprofil vom Dubkowmoor zeigt eine typische Ausprägung eines Versumpfungsmoores. Der im Untergrund anstehende Talsand mit gelegentlich schluffig oder tonigen Beimengungen wird stark durch das anstehende Grundwasser beeinflusst. Das vorhandene Niedermoor hat über 30 Prozent organisches Material als Torf angesammelt. Diese Niedermoortorfe aus Erlenbruchwald und Riedgräsern besitzen eine typische dunkelbraune bis schwarze Farbe. Da hier der Erhaltungszustand noch recht gut ist, sind die Torf bildenden Pflanzenteile mit bloßem Auge gut erkennbar. Die Moormächtigkeit beträgt hier bis zu 3 Metern. Die Speicherung von Kohlenstoff im Moorboden ist für den Klimaschutz und den Erhalt unserer Spreewaldlandschaft besonders wichtig. Ein Hektar des Dubkow-Moores speichert 2000 Tonnen Kohlenstoff, reguliert und puffert den Wasserhaushalt und entlastet dadurch das Klima. Eine große Gefahr für das Moor ist die Austrocknung. Mit einer Sohlschwelle als Barriere im Krummen-Wehr Fließ wird das Wasser angestaut und eine Austrocknung im Sommer verhindert. Diese Maßnahme haben Naturschutz und Landbewirtschaftung abgestimmt. Das Dubkow-Moor ist Bestandteil des europäischen Schutzgebietsmanagements NATURA 2000.

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Hirschmoor/Jelenjowe bagno Die Mächtigkeit des Moors beträgt hier nur 50 - 100 Zentimeter. Darunter befindet sich eine wasserundurchlässige Tonschicht. Dadurch bedingt, bleibt Oberflächenwasser lange Zeit sichtbar. Nur in niederschlagsarmen Jahreszeiten ist die Nutzung etwa für den Weidebetrieb, möglich. Gelegentlich gelingt auch eine oder gar zwei Heuernten, wenn die Wiesen die schwere Technik tragen können. Durch den vom Naturschutz empfohlenen Erntetermin (Mitte Juli) zum Schutz des Niedermoors und besonders der vorkommenden Bodenbrüter ist ohnehin nur eine eingeschränkte Bewirtschaftung möglich. In diesem zurückgezogenen und wenig frequentierten Bereich des Spreewaldes gibt es ein großes Wildvorkommen (s. Fotoalben zu Hirsch- und Rehwild)

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Sauenmoor/Rampowe bagno

Durch landwirtschaftliche Nutzung, begünstigt durch jahrzehntelangen Schöpfwerksbetrieb, ist diese Fläche sehr stark geschädigt. Die Mineralisierung des Torfes und die damit verbundene Moorsackung hat die Oberfläche um ca. 50 cm abgesenkt. Der Schöpfwerksbetrieb wurde Anfang der 90iger Jahre eingestellt und die Flächen vernässten durch den fehlenden Abfluss und die veränderte Oberflächengestalt. Typische Riedgewächse Seggen, Binsen und Wasserschwaden prägen nun wieder die Botanik dieser Flächen. Eine Zunahme flächendeckender Schilfbestände soll durch Regulierungsmaßnahmen und eine angepasste Unterhaltung der Gewässer verhindert werden. Voraussetzungen dazu hat das 2010 in diesem Gebiet durchgeführte Naturschutzgroßprojekt Spreewald geschaffen. Die nun möglichen Regulierungen unterstützen den Erhalt des noch vorhandenen Moorkörpers. Moorwachstum kann an einigen Stellen wieder einsetzen. Unter den jetzigen Klimabedingungen ist mit einem Torfzuwachs von 0,5 bis 1 Millimeter pro Jahr auszugehen. Die landwirtschaftliche Nutzung wird durch finanzielle Mittel der Europäischen Union und des Landes Brandenburg unterstützt. In einigen Flächen wird die Landschaftspflege finanziert, da eine wirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen ist. Die offene Wiesenlandschaft ist Schutzgut des UNESCO anerkannten Biosphärenreservates Spreewald.

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Schwarzer Weg/Carny puś

Diese Flächen zeigen einen drastischen Nutzungsartenwandel. Vor dem Betrieb des ca. 3 km entfernten Braunkohle-Tagebau "Seese-Ost" befand sich hier ein intaktes Niedermoor mit einer Mächtigkeit von 50 bis 100 Zentimeter. Torfbildner sind auch hier Bruchwald, Schilf- und Seggenriede. Die Grundwasserabsenkung und der Umbruch des Grünlandes ermöglichten eine langjährige Ackernutzung. Der Moorkörper wurde dabei extrem abgebaut und das Gelände senkte sich entsprechend im Mittel um 50 cm ab. Nach dem Wiederanstieg des Grundwassers bei Einstellung des Bergbaus versumpften die Flächen zunehmend. Heute wird die Umwandlung in extensiv genutztes Grünland durch die Biosphärenreservatsverwaltung Spreewald und den Vertragsnaturschutz unterstützt. Der Charakter des Moores soll wieder Einzug halten. Pflanzen und Tiere der Röhrichte und Nasswiesen kehren zurück und an einigen Stellen beginnt das Moor wieder zu wachsen. Der Kranich ist hier auch mit Jungtieren anzutreffen. Er brütet im Schutz des Röhrichts. Eine Abstimmung zur Mahd und Beweidung dieser Fläche wurde zwischen Naturschutz und Landbewirtschaftung vertraglich geregelt.

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Gustewitz/Gusćewica

Die südwestlich gelegene ehemalige Sandentnahmestelle zeigt heute eine offene Wasserfläche und lässt ein "Scheinmoor" entstehen. Verbunden mit dem Grundwasserwiederanstieg überstauen zahlreiche Flächen und sind unter diesen Umständen schwer zu bewirtschaften. Die Mahd der Flächen und die Abfuhr der Biomasse soll mindesten einmal im Jahr erfolgen. Ziel sind Grundwasserflurabstände, die eine Bewirtschaftung zulassen und das Moorwachstum anregen. Dabei sollen die Schwankungen des Bodenwasserhaushaltes möglichst gering gehalten werden. In den Flächen finden wieder typische Arten des Niedermoors eine Heimat. Neben der Botanik sind es die Wiesenbrüter wie Bekassine und Kiebitz, die hier eines der letzten Brutgebiete haben. Die biologische Vielfalt dieser Flächen ist bemerkenswert und ein besonderer Schatz der Spreewaldlandschaft. Für den zusätzlichen Aufwand der Landwirtschaft können finanzielle Mittel aus dem Spreewaldwiesenprogramm des Landes Brandenburg genutzt werden.

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Quellgebiet Schwarzer Berg/Carna Gora

Erst seit wenigen Jahren ist die Quelle wieder aktiv. Deutlich ist zu erkennen, dass sich das Wasser schon nach kurzer Zeit an der Luft braun färbt. Dies ist auf den Kontakt des Grundwassers mit Raseneisenstein zurückzuführen: In der Niederlausitz gibt es reichliche Vorkommen dieses Erzes, das früher zur Verhüttung abgebaut wurde. Tritt das Wasser an die Oberfläche, kommt es durch den Kontakt mit Luftsauerstoff zu einer chemischen Reaktion. Dabei entsteht im Endergebnis "Rost", der sich als brauner Niederschlag zeigt. Durch den Bergbau in der Umgebung wird das "Verockerungsproblem", wie es vereinfachend genannt wird, zusätzlich verstärkt (s. Infotafel im Hafen Raddusch). Es stellt für das Ökosystem des Spreewalds eine Bedrohung dar. Obwohl selbst ungiftig, führen die braunen Niederschläge zum Absterben von Flora und Fauna.

Das abfließende Quellwasser sucht sich seinen Weg und sammelt sich in der angrenzenden Niederung. Hier führt es zur Vernässung der Wiesen, die für die landwirtschaftliche Nutzung nur noch teilweise geeignet sind.

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T = Infotafel vor Ort

 

Im "Mooralbum" haben wir Fotos zu den einzelnen Mooren ebenso abgelegt, wie Szenen aus der Erkundung und Wegevorbereitung:

Moore im Spreewald

Mooralbum

Über Moore

Spreewaldmoore in der Gemarkung Raddusch und Umgebung


Der Lebensraum Moor gehört zu den eigenartigsten, artenreichsten und einmaligen Ökosystemen im Spreewald. Moore leben vom Wasser und können sich auch nur dort entwickeln, wo Wasser im Überfluss vorhanden ist und das Klima das Wachstum von torfbildender Vegetation erlaubt. Diese Bedingungen waren im gesamten Spreewald seit der letzten Eiszeit, also vor 10000 bis 12000 Jahren gegeben. Die weite Talaue, die nach dem Abschmelzen des Inlandeises ausgeformt wurde, ließ großflächige Niedermoore entstehen.  Unter ständigem Grundwassereinfluss wurden die absterbenden Pflanzen nur unvollständig zersetzt. Damit entstand eine immer dicker werdende Schicht aus organischem Material, der Torf. In der Spreewaldniederung schwanken diese Torfmächtigkeiten zwischen 40 und 300 Zentimeter. Charakteristische torfbildende Pflanzengesellschaften sind Schilfröhrichte, Erlenbrüche und Großseggenriede.  Durch intensive landwirtschaftliche Nutzung sind inzwischen alle Radduscher Moore entwässert und wachsen nicht mehr. Sie sind teilweise an der Oberfläche mineralisiert und haben an Mächtigkeit verloren. Neben Kohlenstoff wurde auch Stickstoff freigesetzt. Beide Stoffe tragen erheblich zur Umweltverschmutzung und Klimabelastung bei. Jetzt gilt es vorrangig wieder Bedingungen zu schaffen, dass die Moore einen höheren Grundwasserspiegel bekommen, im engeren Sinne "wiedervernässt" werden und somit die Erhaltung der Moore möglich ist und schließlich ein Moorwachstum eingeleitet wird. Dies ist das erstrebenswerte Ziel und damit ein Betrag zum Klimaschutz. Umfangreiche Untersuchungen zur Wiedervernässung liegen vor, ebenso konkrete in Umsetzung befindliche Projekte. Dr. M. Werban

Erarbeitet mit Unterstützung von Dr. Manfred Werban, Ortschronist Manfred Kliche, dem Biosphärenreservat Spreewald, der Stadt Vetschau und dem GPS-Jugendprojekt in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Spreewald unter Federführung des Tourismusvereins Raddusch und Umgebung e.V.

Wir empfehlen Ihnen als weiteren Lehrpfad den historischen Rundweg!